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Geschichte

Vinkovci befindet sich am nördlichsten Mäander des Flusses Bosut, dessen auf 88 m Seehöhe liegendes linkes Ufer von häufigen Überschwemmungen geschützt und deshalb besiedelt wurde. Dank der günstigen Lage, war das Gebiet von der Jungsteinzeit bis in die Gegenwart durch die verschiedenen Kulturen bevölkert. Durch Funde in Vinkovci ist es nachgewiesen, dass der engere Stadtbereich seit 8000 Jahren kontinuierlich bewohnt wurde. Die meisten prähistorischen Siedlungen lagen auf diesem „hohen“ linken Ufer, wobei die größte und aufwendigste Siedlung an der Mündung des Baches „Ervenica“ in den Bosut auf dem „Telu-Markt“ war.

Erste Landwirtschaftliche Nutzung wurde durch Menschen um das Jahr 6200 v. Chr. betrieben, die Gebrauchsgegenstände aus Keramik nutzten und Tier und Pflanzen für sich kultivierten.

Nach „Sirmium“ (Srijemska Mitrovica) und „Mursa“ (Osijek), war „Colonia Aurelia Cibalae“ die drittgrößte Stadt der römischen Provinz „Pannonia secunda“, die sich über das Gebiet des heutigen Slawonien, Syrmien und Baranja erstreckte. Die Stadt wurde zu Beginn des ersten Jahrhunderts gegründet und entwickelte sich langsam zu einem Handels- und Gewerbe-zentrum. Es ist unbekannt wie die Stadt zu Beginn hieß, zur Zeit des Hadrians (117-138) aber bekommt sie den Status des Munizipium und somit den Namen „Municipium Aelium Cibalae“. Den Aufstieg zur Kolonie „Colonia“ schaffte die Stadt Ende des 2., Anfang des 3. Jahrhunderts. Die Grundlage der wirtschaftlichen Entwicklung bildete die Landwirtschaft und die Töpferei-Industrie, wovon man bisher 80 Brennstätten nachweisen konnte.

Den Höhepunkt in der Entwicklung erlebte die Stadt im 4. Jahrhundert mit einer Flächenausdehnung von 550.000 m2 und einer Einwohnerzahl zwischen 5 und 10 Tausend. Schon in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts gab es hier eine christliche Diözese, von der nur noch der Name eines Bischofs „Eusebius“ (?-258) und eines Schreibers „Polion (?-304) überliefert wurde. Weitemehr bekannt sind die Brüder Valentinian I. (röm. Kaiser 364-375) und Valens (röm. Kaiser 364-378) die in Cibalae und somit als einzige römische Kaiser im heutigen kroatischen Staatsgebiet geboren wurden.

Funde aus dem 5. Jahrhundert belegten die Besiedlung des Gebietes von der Antike bis zum Mittelalter, durch die romanische Bevölkerung und den Foederaten (barbarische Gruppen).

An 14 Stellen „intra muros Cibalae“ (innerhalb der Stadtmauern) wurden 52 Gräber gefunden, die auf den Beginn des Mittelalters datiert sind.

Die Einwanderung der slawischen Stämme führte zur Verschiebung des Stadtzentrums nach Westen. Zehn Brandgräber wurden auf der Höhe der „Duga Ulica Nr.99“ gefunden. Gegen Ende des 11. Jahrhunderts wurde am westlichen Rand der ehemaligen Stadt „Cibalae“ eine neue Siedlung gegründet. Die Bewohner dieser Siedlung errichteten eine kleine Kirche im romanischen Stil, dessen Fundament entdeckt wurde und die anscheinend dem Heiligen Elias gewidmet war. Mit Sicherheit denselben Namen trug eine größere gotische Pfarrkirche, die entlang der südliche Seite der kleinen frühgotischen Kirche entstand. Hier wurden bei mehreren Ausgrabungen insgesamt 329 Gräber entdeckt, von denen die meisten der Neuzeit (17-18. Jahrhundert) zugeordnet werden. Im 19. Jahrhundert wurde das Kirchengebäude zum Getreidesilo umfunktioniert. Die gotische Kirche ist das älteste Gebäude der Stadt.

Vermutlich lautete der Name der Siedlung im Mittelalter „Bogdanfalva“.

Erstmals wurde Vinkovci (Wynkocz), als dem „Hl. Elias“-naheliegenden Satellitendorf, im Jahr 1491 erwähnt. Das Gebiet der mittelalterlichen Siedlung „Hl. Elias“ (heutiges Vinkovci) fiel mit dem Fall von „Ivankovo“ im Jahr 1536 in osmanische Hände. Vermutlich war die Siedlung „Hl. Elias“ begehrt, sodass auch Vinkovci in der osmanischen Steuerliste von 1570, mit seinen 17 Häusern aufgeführt wurde. Weiterhin steht geschrieben, dass die Bewohner die Äcker zwischen dem Weiler Ilinci und Hl. Elias bewirtschafteten. In einer späteren Liste aus dem Jahr 1630 sind es nur noch 16 Häuser. Während der ganzen türkischen Periode des 16. und 17. Jahrhunderts gab es im ganzen Gebiet, neben dem damaligen Vinkovci, nur noch vier bewohnte Dörfer: Zalužje (im Jahr 1570 mit 21 Häusern), Trbušanci (im Jahr 1570 -23 Häusern), Draganovci (im Jahr 1570 mit 13 Häusern) und Liskovac (im Jahr 1570 mit 8 Häusern).

Das Gebiet des osmanischen Vinkovci (karye-i Vinkofçi) wurde zum Ende des 17. Jahr-hunderts durch die Befreiungskriege verwüstet, und die Bevölkerung gewaltsam vertrieben. Wie auch die Bevölkerung der umliegenden Dörfer, flüchteten und versteckten sich die Bewohner Vinkovcis zu dieser Zeit (1690/91) in den antinischen Teichen und an anderen sicheren Stellen. Die Rückkehr der Flüchtlinge in ihre alten Dörfer (so auch nach Vinkovci) begann um das Jahr 1700.

Anfangs des 18. Jahrhunderts befand sich Vinkovci innerhalb der neu gegründeten „Slawonischen Militärgrenze“. Der kanonischen Visitation (kirchliche Bestandsaufnahme) aus dem Jahr 1729 nach, wurde die alte gotische Pfarrkirche (auf der Meraja) dem Heiligen Märtyrer „Vinko“ geweiht, während sie im Mittelalter noch dem Heiligen Elias gewidmet war.

Ab dem Jahre 1750 war Vinkovci der Sitz des Broder Grenz-Regiments (gegründet 1747). Zwischen 1765 und 1785 wurde Vinkovci zur Militärgemeinde, was auch einen zahlreichen Gewerbehandel beinhaltete. Vinkovci entwickelte sich demographisch und wirtschaftlich weiter, sodass in der Stadt bereits im Jahr 1789 mehr als 2000 Einwohner lebten. Etwa 50 Jahre zuvor, im Jahr 1738 waren es nur etwa 500. Vinkovci entwickelte sich von einem großen Dorf zur militärgrenzlichen Kleinstadt mit dominanten Verwaltungs-, Gewerbe- und Handelsfunktionen, wessen Aufgabe es war, die Bedürfnisse des Militärs, wie auch der im Raum der damaligen Brod Regimente lebenden Grenzbevölkerung zu befriedigen.

Im Jahr der Gründung der Militärgemeinde Vinkovci (1765), lebten in Vinkovci 67 Grenzer-Familien und 90 Gewerbefamilien, die die Mehrheit in der Bevölkerung waren. Als Bestätigung ihrer Wichtigkeit bekam diese Gewerbetreibenden im Jahr 1774 von Kaiserin Maria Theresia die „Vinkovci Zunftprivilegien“. Konstant bis zu Beginn der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bestand diese Handels- und Gewerbebedeutung mit ihren Verwaltungsstrukturen für Vinkovci, die dann durch Manu-fakturen und Industriebetriebe wie Dampfmühlen und -sägen, Ziegeleien, Textil- und Lederfabriken und weitere Betriebe, abgelöst wurden.

Aufgrund der sozialen Entwicklung von Vinkovci wurden in der Stadt eine ganze Reihe von öffentlichen aber auch privaten spätbarocken Gebäuden (solide Bauweise) errichtet. So wurde 1762 die Hauptschule gegründet, 1777 die neue große Kirche des „Heiligen Johannes von Nepomuk“ fertiggestellt (heute Kirche des Hl. Eusebius und Polion), zwischen 1780 und 1785 das repräsentative mehrstöckige Haus des Kommandos und des Hauptwachdienstes des 7. Brod-Regiments erbaut (heute das Stadtmuseum) und von 1779 bis 1792 das Gymnasium errichtet. In dieser Zeit bekam auch der heutige leicht veränderte städtische Hauptplatz (damalige Paradeplatz) seine endgültige architektonische und urbanistische Form.

Bei der ersten offiziellen Volkzählung im österreichischen Kaiserreich im Jahr 1857 hatte Vinkovci (ohne Neudorf und Mirkovci) mit 628 Häusern, insgesamt 3113 Einwohner. Aufgelistet nach der Glaubenszugehörigkeit waren 2489 Einwohner römisch-katholisch, 442 orthodox, 180 evangelisch, 1 griechisch-katholisch und ein Bürger kalvinistisch.

Um das Jahr 1830 gab es in Vinkovci insgesamt 11 Wirtshäuser und Gasthöfe mit -für heute- ungewöhnlichen Namen:
1) Winkowzer Militär Wirtshaus (im Besitz des Fiskus/Staat) 2) Zum schwarzen Rössel 3) Zum Hirsch 4) Zum grünen Baum 5) Erstes Wirts- und Brauhaus 6) Zum weißen Wolf 7) Zum Posthorn 8) Zum Ochsen 9) Zur silbernen Kugel 10) Zur goldenen Kanne 11) Zum Schützen

Zu den wichtigsten Institutionen, die in dieser Zeit entstanden, gehören vor allem die im Erdgeschoss des „Generalrats“ (später Broder Vermögensgemeinde) ansässige Mädchenschule (gegründet spätestens 1815) und das seit 1831 bestehende Regiment Krankenhaus im Gebäude des Kommandos des 7. Brod Regiment. Im Jahr 1857 zog das Krankenhaus in ein neu errichtetes Gebäude (heute Poliklinik) um, welches sich in der jetzigen Zvonimir-Straße befindet.

Die Annektierung der Militärgrenze und die Demilitarisierung im Jahr 1873 führten 1881 zur Vereinigung von Dalmatien, Kroatien und Slawonien zum Dreikönigreich und somit zu einem weiteren Meilenstein in der demographischen und sozialen Entwicklung der Stadt Vinkovci. Entscheidend für die Entwicklung war die Ankunft der Eisenbahn im Jahr 1878 (aus der Dalj und Budapest nach Slavonski Brod), sowie auch der Beginn der intensive Forstwirtschaft der Eichenwälder.

Im Zeitraum zwischen 1880 und 1910 vollzog sich ein ethnischer Wandel in der Bevölkerung. Während die drei größten Völkergruppen prozentual einen Rückgang verzeichneten (Kroaten 6,5 %, Serben 2,2 % , Deutsche 1,5 %), stieg die Anzahl der Juden um 1,1 % und das der Ungarn sogar (innerhalb 30 Jahren) auf das Dreifache. Zurück zu führen ist dieser Anstieg zwischen 1880 und 1910 mit der Herrschaft des ungarischen Ban Karl Khuen-Héderváry (kroatischer Ban von 1883 bis 1903).

Einer der wichtigsten politischen Ziele „Khuen’s“ war die "Ungarische Königliche Staats-eisenbahn" (Magyar kiraly állam vasutak). Genau in diesem Zeitraum wurde Vinkovci zu einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt.

Eine jüdische Ansiedlung in Vinkovci war auf einen relativ kleinen Zeitraum begrenzt. Während der Militärgrenzzeit (18. und 19. Jahrhundert), bis zur Demilitarisierung im Jahr 1873 hatten Juden kein Recht sich anzusiedeln. Es bestand für sie nur eine Verweildauer von 24 Stunden. Erst ab dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts bis zum 2. Weltkrieg siedelte sich eine jüdische Gemeinschaft an, die aber eine relativ wichtige Rolle in der Entwicklung der Industrie und des Handels einnahmen. Somit war die identitäts-ethnische Zusammensetzung der Einwohner von Vinkovci, das politisch-soziale Erbe der Militärgrenze, sowie auch der wirtschaftlichen-demographischen Konjunktur, die sich nach der Demilitarisierung und der Inkorporierung der Militärgrenze und der Einführung der Eisenbahn und Bewirtschaftung der Eichenwälder entwickelte.

Gegen Ende des 19. und Anfangs des 20. Jahrhunderts wurden in Vinkovci eine Reihe von bürgerlichen, karitativen und kulturellen Vereine gegründet. Ab 1898 wurde eine Wochenzeitung für Vinkovci und die Umgebung herausgegeben, was ein Merkmal für das Wachstums eines städtischen und bürgerlichen Milieu ist. Den formellen Status einer Stadt erhielt Vinkovci aber erst im Jahr 1923 in einem neu gebildeten Staat.

Die Industriealisierung und die städtische Weiterentwicklung wurden auch nach den schlechten Erfahrungen des ersten Weltkrieges fortgesetzt. So bekam Vinkovci im Jahr 1919 die öffentliche Gasbeleuchtung und 1930 das öffentliche Stromnetz. In der Stadt produzierten etliche Industriebetriebe wie zum Beispiel die Ziegelei „Kuman & Bohn & Kuhman“, die Lederfabrik „Gebrüder Marton“, die Metallindustrie „Fermolim“, die Wollwarenfabrik „Johan Stefan“ (später Vintex) u.v.m.

Kurz vor dem zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der Bevölkerung in Vinkovci auf über 16000 Einwohner. Der Zweite Weltkrieg brachte neue Rückschläge für die Stadt.

Bis 1942 verlor Vinkovci schon etwa 5 % der Bevölkerung, wovon dies größtenteils in Konzentrationslager deportierte und nicht rückkehrende Juden waren. Auch die meisten Deutschen, die ähnlich der Juden einen erheblichen Anteil zur wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der Stadtbeigetragen hatten, verließen 1944 Vinkovci. Zur gleichen Zeit wurde Vinkovci, insbesondere im Bereich der Eisenbahnstation, durch etliche alleierte Luftangriffe bombardiert. Die Stadt verlor durch den Zweiten Weltkrieg etwa 35 bis 40 % der Bevölkerung.